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ExRotaprint Berlin – Baudenkmal, Nachbarschaft, Gemeinnützig.

Hintergrund

ExRotaprint ist das ehemalige Produktionsgelände der Druckmaschinenfabrik Rotaprint in dem Berliner Stadtteil Wedding. 2004 erhielt der Liegenschaftsfonds Berlin den Auftrag, das 10.000 qm große Grundstück aus Landesbesitz meistbietend zu verkaufen. Die bildenden Künstler Daniela Brahm und Les Schliesser erarbeiteten 2004 ein Konzept zur Übernahme des Geländes durch die Mieter vor Ort. Ziel war eine Entwicklung des Standorts für eine heterogene Nutzung aus „Arbeit, Kunst, Sozialem“.

© Daniela Brahm

Nach langen Verhandlungen mit Bezirk, Senat und Liegenschaftsfonds konnte die von den Mietern gegründete gemeinnützige GmbH ExRotaprint 2007 das Gelände erwerben.

Um die Ziele des Projekts langfristig abzusichern, hat ExRotaprint eine rechtliche Klammer aus Erbbaurecht und Gemeinnützigkeit aufgestellt. Die Gebäude sind in Besitz der ExRotaprint gGmbH. Der Boden ist Eigentum zweier Stiftungen, der Stiftung Edith Maryon und der Stiftung trias, die sich gegen Bodenspekulation richten und den Weiterverkauf ausschließen. Auf der Grundlage eines 99-jährigen Erbbaurechts bewirtschaftet die ExRotaprint gGmbH das Gelände und verantwortet alle Aspekte der Projektentwicklung, der Vermietung, der Finanzierung und der Sanierung. Als gemeinnützige GmbH ist ExRotaprint den selbst gewählten gemeinnützigen Zielen verpflichtet – dem Erhalt des Baudenkmals und der Förderung von Kunst und Kultur. Vermietet wird zu je einem Drittel Flächen an „Arbeit, Kunst, Soziales“. Hier arbeiten Gewerbebetriebe, soziale Einrichtungen und Kreative. 2016 wurde der ExRotaprint gGmbH der Julius- Berger-Preis für Stadtentwicklung verliehen.

Sanierung des Baudenkmals

ExRotaprint hat 2007 ein stark sanierungsbedürftiges Baudenkmal übernommen. Mit der Baufinanzierung durch die CoOpera Sammelstiftung PUK hatte die junge Projektentwicklung bereits 2009 eine verlässliche Partnerin gefunden, die das Engagement von ExRotaprint positiv bewertet hat. Die große Herausforderung für das Projekt war die sukzessive Sanierung des Ensembles aus insgesamt 11 Häusern, das sich vor allem durch die enge Verzahnung gründerzeitlicher Gewerbegebäude mit Erweiterungsbauten aus den 1950er Jahren auszeichnet. Die künstlerisch bedeutenden Häuser der Nachkriegsmoderne des Architekten Klaus Kirsten erforderten dabei besondere Aufmerksamkeit. 2019 hat die ExRotaprint gGmbH für die Sanierung und Entwicklung des Standortes die Ferdinand-von-Quast-Medaille für Denkmalpflege des Berliner Senats erhalten. 2025 sind die Konsolidierung und Neuausrichtung des Bestands weitestgehend abgeschlossen.

© Daniela Brahm

Arbeit, Kunst, Soziales

ExRotaprint entscheidet sich bewusst für Mieter, die mit der Nachbarschaft arbeiten. Eine große Schule unterrichtet Deutsch für Migranten. Ein Beschäftigungsträger arbeitet mit Arbeitslosen und setzt Projekte zwischen Realwirtschaft und Beschäftigungspolitik um. In der Produktionsschule werden Schulschwänzer an einen geregelten Tagesablauf herangeführt und erhalten die Chance einen Hauptschulabschluss zu erreichen.

Musiker, Designer, Schriftsteller und Künstler mieten Büros, Studios und Ateliers. ExRotaprint vergibt diese Räume an junge Kreative, die selbst wieder zu Schnittstellen werden können, ihre Bereiche intensiv nutzen und mit ihrer Energie positiv für das Projekt sind. Sie sind gut vernetzt und schaffen sich ihre professionellen Strukturen selbst.

Die Erdgeschossflächen sind für produzierendes Gewerbe vorgesehen. Metallbau, Polsterer und Holz verarbeitende Werkstätten, Rahmen- und Ausstellungsbau, Siebdruck, Elektriker, Gebäudereinigung und Baugewerbe belegen große Einheiten. In einem Bezirk, aus dem sich Arbeitsplätze in der Produktion verabschiedet haben, sind neue Arbeits- und Ausbildungsplätze zentral für die wirtschaftliche und soziale Stabilisierung des Umfelds.

© Carsten Eisfeld

Die sozialen Einrichtungen und die Produktion garantieren die Öffnung des Geländes für Menschen, die im Bezirk Wedding leben und ein Teil des sozialen Gefüges sind, das den Wedding ausmacht. ExRotaprint ist ein Ort für alle gesellschaftlichen Gruppen – Menschen, die aus Konfliktzonen neu nach Berlin kommen, Künstler, Musiker, Akademiker, Handwerker und Unternehmensgründer kommen hier zusammen.

die ehemaligen Rotaprint Druckmaschinenfabrik, heute ExRotaprint:

  • 11 Gebäude von um 1900 und aus den 1950er Jahren
  • 8.400 qm Grundfläche
  • 12.500 qm Bruttogeschossfläche
  • 1989 Konkurs von Rotaprint und Übertragung des Geländes in Landeseigentum
  • 1991 Eintragung als Baudenkmal
  • 2007 Gründung der ExRotaprint gGmbH durch Mieter vor, Erwerb des Geländes, Abschluss eines 99-jährigen Erbbaurechts
  • 2010 bis 2025 sukzessive denkmalgerechte Sanierung des Bestands
  • Vermietung der Gewerbeflächen an „Arbeit, Kunst, Soziales“
  • 10.000 qm Mietfläche
  • 120 Mieteinheiten

www.exrotaprint.de