Die CoOpera-Unternehmen wollen direkt in Wertschöpfungszusammenhänge investieren und damit eine nachhaltige Wirtschaft fördern.

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Engagement in Tunesien: 1000 Tonnen Demeter Datteln und ein Gästehaus als Oase des Wissens und Vermittelns

In Hazoua, Südtunesien, konnte die Biodynamische Kooperative BeniGhreb dank Schweizer Experten und Geldgebern in eine nachhaltige Zukunft aufbrechen. 140 Bauernfamilien aus dem Beduinen-Stamm der BeniGhreb schlossen sich 2000 zur gemeinsamen Vermarktung ihrer Datteln zusammen und liessen sich Fair Trade und biodynamisch zertifizieren.

Dies war mit Leidensdruck verbunden. In den wildwestähnlichen Vermarktungsstrukturen herrscht das Recht des stärkeren Abnehmers gegenüber den unorganisierten Kleinproduzenten. Von den Vermarktern war keine Hilfe in Sicht, um von der «einmal pro Jahr Geld»-Kultur und dubiosen Einkäufern loszukommen.

Erst die Schaffung einer eigenen Verarbeitungszentrale gab den Bauern die Möglichkeit, selbst zu verkaufen. Doch damit tauchten gleich neuen Probleme auf. Die Landwirte mussten sich mit Konsumentenfragen und Wünschen herumschlagen und eine Kommunikationskultur lernen und praktizieren.

1 biodynamische landwirteBautrupp der biodynamischen Landwirte beim Bau des Gästehauses


BeniGhreb Datteln sind heute ein Qualitätslabel

Die Landwirte verfolgten das Ziel einer nachhaltigen Produktion ohne Pestizide aus eigenen Ressourcen jahrelang weiter und schlugen schliesslich einen neuen Weg ein, weg aus der anonymen Vermarktung. BeniGhreb Datteln sind heute im Biofachhandel für ihre Qualität und das ökologische und soziale Engagement der Bauernfamilien bekannt.

CoOpera unterstützt die Kooperative bereits seit vielen Jahren, erst mit einem Kampagnenkredit und nun zwischenzeitlich auch als Teilhaber. Im richtigen Moment hat CoOpera den Schritt in verbindlichere Zusammenarbeitsformen unterstützt und damit den Übergang vom Pionierprojekt des Biolandbaus zu einer professionelleren Ausrichtung begleitet.

Aus einem fast familiären Projekt mit einem Jahresexport von maximal 60 Tonnen Datteln ist eine mittlere Exportfirma entstanden. Mehr und mehr Familien sind dazu gestossen, für deren Zukunft die Initiative Verantwortung trägt. Gegenwärtig wird ein neuer Businessplan erarbeitet und gleichzeitig eine griffige Ausrichtung am Markt ins Auge gefasst. Die Exportmenge der Kooperative ist auf 1000 Tonen angewachsen. Die Demeter Datteln sollen ohne Verluste auf dem sinnvollsten und besten Weg zu den bewussten Konsumentinnen finden.

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«Die CoOpera Beteiligungen AG ist seit vielen Jahren bei BGH engagiert. Weil wir uns vor Ort überzeugen konnten, dass hier mehrschichtig Sinnvolles gemacht wird. Kommt dazu, dass Unternehmen, bei welchen CoOpera durch die Bio Development AG engagiert ist, beste bio-dynamische Datteln erhalten können. Einmal mehr schliessen sich so wertvolle Kreise».
Markus Lüthi, Delegierter des Verwaltungsrates und Geschäftsführer der CoOpera Beteiligungen AG."

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 2 lehm für mauerVerwendung von örtlichem Lehm für den Bau des Gässtehauses

Das öko-Gästehaus, ein zentrales Element

Mindestens so wichtig wie das stolze Label, welches wohl die besten Datteln im Markt auszeichnet, sind die Menschen, welche sich dank der Kooperation verwirklichen können. Aufgezeigt am Bau des neuen Gästehauses, das dank der Kooperation realisiert werden konnte.

Hazoua hat über 7000 Einwohner und hatte kein Gästehaus. Wer dort übernachten wollte, (die meisten Tunesier würden es eher als ein «Müssen» bezeichnen.) fand nichts ausser einer Tankstelle, ein paar mit arbeitslosen Männern besetzte Strassencafés und einige Ladenkioske mit den nötigsten Lebensmitteln.

Schon früh haben sich die Bauern aus der Kooperative gewünscht, ein eigenes Gästehaus zu bauen, um alle Besucher, vom Dattelfan bis zum Bioinspektor, beherbergen zu können. Die muslimische Landtradition tut sich aber schwer mit einer Bed-and-Breakfast-Kultur. Es ist kompliziert, Fremde (Männer) im eigenen Haus, welches in der Regel ganz von den Frauen regiert wird, unterzubringen. Ein Gästehaus, aus eigener Kraft erbaut, würde also die ideale Ergänzung zu ihrem Projekt sein. Gesagt, getan, alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt.

Erst war es schwierig an einem korrupten Diktator vorbeizukommen, danach kamen die Wirren der Revolution. Sie haben viele Europäerinnen und Europäer verunsichert und vom Reisen abgehalten und die Arbeiten kamen nur langsam voran. Durch den postrevolutionären Terrorismus ist der Individualtourismus in Tunesien nun komplett eingebrochen. Es gibt heute kaum Saharatourer mehr, die noch einmal auf tunesischem Boden duschen wollen, bevor sie in die Wüste verschwinden.

 3 bau lehmmauerTunesischer Maurer beim Aufbau einer Lehmmauer

Dis Gästestruktur hat sich geändert

Die Bauern haben in ihren kurzen arbeitsfreien Zeiten zwischen Palmenpflege und Ernte fleissig Lehmziegel getrocknet, gemauert und geschreinert. Das Gästehaus ist bereit für Gäste aus Europa, aus der Welt und aus der Nähe.

Inzwischen sind nämlich viele Tunesierinnen und Tunesier, Schulen, Projektegruppen und weitere auf das Projekt in Hazoua aufmerksam geworden. Sie interessieren sich für die biodynamische Anbauweise, die wassersparende Bewässerung, den Anbau von salzverträglichen Futterpflanzen, die Massnahmen zum Energiesparen und die super Qualität der Datteln.

All diese Leute, oft Studenten und junge Menschen, welche selbst Projekte in Tunesien anregen möchten, suchen Austausch und Inspiration in der Oase. Sie möchten in Hazoua übernachten, tagen, sich verpflegen und Exkursionen machen. Doch ihre Mittel sind äusserst beschränkt. Sie sind teils selbst auf Unterstützung angewiesen.

4 traditionelle verputztechnikDie Bauern mögen die traditionelle Verputz-Technik mit Marmorstaub, Kalk und Olivenöl (Tadelakt)

Kostbare Errungenschaften mit Gleichgesinnten teilen

Die Kooperative fragt sich: Können wir das nicht unterstützen? Die Bauern in Hazoua haben sich in den letzten Jahren viel Knowhow für die Zukunft in der globalisierten Welt angeeignet. Sie haben sich erfolgreich dem anonymen Markt entzogen. Sie haben Wege im fortschreitenden Klimawandel gefunden, um ihre kostbaren Ressourcen wie Boden, Wasser, Biodiversität und Energie zu schonen. Das sind ganz kostbare Errungenschaften, welche auch andere zu erwerben suchen.

Das Gästehaus in Hazoua könnte in dieser Krisenzeit eine Oase der ökologischen und selbstbestimmten Lebensweise in Tunesien werden. Wenn es gelänge, die Kosten für den Aufenthalt für Projektinteressierte tief zu halten und das Gästehaus für Tagungen, Führungen, Seminare, Exkursionen zu öffnen, würde das Ökogästehaus voll sein. Das Gästehaus sollte nicht wegen der fehlenden Eurotouristen kurz vor der Vollendung stecken bleiben und leer stehen, wenn es ein so wichtiger Kristallisationspunkt für die Entwicklung in Tunesien sein könnte, so die Meinung der Verantwortlichen.

5 dar hazouaDas Gästehaus «Dar Hazoua» der Kooperative BeniGhreb

Aufruf zum Spenden

Mit Spenden möchten wir das Gästehaus unterstützen und die Bauern von Hazoua ermutigen, ihre Erkenntnisse und Ergebnisse aus den Projekten in Tunesien bekannt zu machen und mit engagierten Leuten aus ihrem eigenen Land zusammenzuarbeiten. Das Gästehaus könnte dazu einen entscheidenden Beitrag liefern.

Wir freuen uns auf alle Spenden und Anregungen für dieses Projekt. Für mehr Infos stehen wir gerne zur Verfügung.

Dr. Reto Ingold, Oekologie & Innovation, Basel

Spendenkonto bei ACACIA, Basel Konto ACACIA 2.488.0 8392

PC 40-963; IBAN CH13 0839 2000 0000 2488 0; BIC RAIFCH22XXX

Bilder und Copyright: Reto Ingold.