Die CoOpera-Unternehmen wollen direkt in Wertschöpfungszusammenhänge investieren und damit eine nachhaltige Wirtschaft fördern.

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CoOpera Sammelstiftung PUK: Gibt es noch werterhaltende Wege für Pensionskassen Wege jenseits von Renditezwang und Idealismus?

Udo Herrmannstorfer hat an der diesjährigen Delegiertenversammlung der CoOpera Sammelstiftung PUK ein Referat gehalten zum Thema: «Heutige Schwierigkeiten und Herausforderungen. Interessenkonflikte. Wie geht CoOpera damit um?»

Geld in Bewegung

Unsere Gesellschaft ist in einem grundsätzlichen Umbildeprozess begriffen, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Bisher fundamentale Grundhaltungen und Verhältnisse werden in Frage gestellt. Ungerechtigkeiten werden nicht mehr einfach hingenommen, sondern der Wunsch an deren Beseitigung mitzuwirken, wird zum Treiber weltweiter Unruhe. Dabei erweisen sich viele Vorschläge nur als Sanierungsmassnahmen für bestehende Verhältnisse und damit als temporäre Scheinverbesserungen. Andere Vorschläge dagegen sind entweder abstrakte Ideengebäude, die die dazu notwendigen Verhaltensänderungen der beteiligten Menschen ausser Acht lassen, oder bedienen nur die Interessenslage der Propagandisten.

Zwischen Leitbild und Wirklichkeit

Als Pensionskasse PUK haben wir uns verpflichtet, mit unserem Verhalten zur Entwicklung und Erhaltung nachhaltiger sozialer Arbeits- und Lebensverhältnisse beizutragen. Andererseits aber sind wir Teil der Gesellschaft und des Zeitgeschehens und nehmen an den gesellschaftlichen Umschichtungen teil. Daraus ergeben sich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen nicht unerhebliche Spannungen zwischen unseren Leitideen und vielen gesellschaftlich bestimmenden Vorschriften, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, wenn wir unser eigenes Anliegen zur Geltung bringen wollen.  Wir dürfen dieser Entwicklung als Beteiligte nicht nur passiv zuschauen. Denn gerade die Alterssicherung beruht ja darauf, dass der soziale Organismus langfristig leistungsfähig und leistungswillig bleibt. Der Versorgungszuspruch (d.h. im Falle der 2.Säule das eingezahlte Kapital) soll auch nach Jahrzehnten noch werthaltig sein.

Ende der Sparzinsen?

Für die meisten Menschen und damit auch Sparer bedeutet Geld vor allem Tauschgeld (Kaufgeld), mit dem man Güter eintauschen, d.h. kaufen und verkaufen kann. Spargeld schafft einen zeitlichen Abstand zwischen Verkauf und Einkauf. Während dieser Zeit steht es für andere Zwecke leihweise zur Verfügung. Nach Ablauf der Frist wird es dem Sparer rückerstattet. Darüber hinaus erhält der Sparer für die Dauer der Sparzeit eine Verzinsung. Bisher zeigte die naive Erfahrung, dass Sparkapital sich verzinst, wenn man es zur Bank oder zu einer Kapitalsammelstelle wie der PUK bringt. Weil es so selbstverständlich zu sein scheint, enthalten alle Kapitalberechnungen innerhalb der Gesellschaft eine Zinszurechnung, ja sogar Zinseszinsen. Der dabei auftretende Zinseszinseffekt ist enorm: bei 3 % Verzinsung z.B. verdoppelt sich ein Kapital nach 24 Jahren, ohne dass der Sparer etwas dazu leisten musste. Das Sparkapital wird zurückgezahlt und ist deshalb nur verliehen; dieses Leihverhältnis wird in der Regel verbrieft, z.B. als Obligation. Für „risikoscheue“ oder „sicherheitsbewusste“ Kapitalhalter waren und sind es auch heute noch vor allem diese Obligationen, also verbriefte Darlehen, die dem Sparer einen Gläubigerstatus und eine Verzinsung sicherten. Durch diese Position als Gläubiger galten solche Schuldpapiere bis anhin als „mündelsicher“. Diese Darlehen haben aber eine Kehrseite. Die damit verbundene Zinszusage gilt über die ganze Laufzeit und sie gilt unabhängig davon, ob das als Kapital eingesetzte Spargeld tatsächlich eine Mehrleistung hervorgebracht hat. Zinsen müssen bezahlt werden. Bei einem Darlehen verbindet sich das Kapital nicht „auf Gedeih und Verderb“ sondern nur „auf Gedeih“ mit dem Investitionszweck; bei kritischen Lagen trennt es sich vom Unternehmen und macht nun seine Gläubigerposition gegen die ursprünglich geförderte Unternehmung geltend.

Wohin mit dem Geld?

Diese relativ bequeme Situation steht vor grossen Veränderungen und droht, alle bisherigen Rechnungen über den Haufen zu werfen. Denn der Zins für solche „halbherzigen“ Geldanlagen tendiert momentan gegen Null, an manchen Orten sogar zu einem Negativzins. Woher aber sollen Zinsen in Zukunft kommen? Mit einer solchen Entwicklung haben nur wenige gerechnet. Entsprechend geringe Erfahrungen liegen vor, wie mit diesem Phänomen umgegangen werden kann und welche Auswirkungen dies auf die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen haben wird. Und ein Ende dieser anlagelosen Geldschwemme ist gegenwärtig nicht abzusehen. Es zeigt sich nun ganz handfest, dass der Vorgang des Sparens keine Zinsen hervorbringt; vielmehr entstehen diese erst, wenn das Sparkapital investiv eingesetzt wird. Ein Überangebot an Geldkapital (allein die Pensionskassen verwalten ca. 700 Mrd. Franken) zeigt an, dass dieses Kapital keinen realwirtschaftlich sinnvollen Einsatzort mehr findet. Das nicht im Tauschprozess gebundene Geld sucht händeringend nach wertschöpfenden Anwendungen. Die Meinung, dass gespartes Geld Zinsen erzeugt, weicht langsam der Einsicht, dass der Geldwert letztlich nur von der Produktion realer Güter und Leistungen bestimmt wird. Es wird auch immer deutlicher, dass infolge des Mangels an Zinserträgen, die ursprünglich von den Sparern erwarteten Leistungen der Pensionskassen sich vermindern werden. Um dem entgegen zu wirken, hat die PUK ihre Anlagepolitik von Anfang an auf realwirtschaftliche Zwecke konzentriert und spekulative Geldpapiere gemieden.

Vom Sparzins zur Dividende

Anders sieht die Situation aber aus, wenn das Spargeldkapital sich ganz mit einer Unternehmung verbindet und zum Mitunternehmer in guten und in schlechten Zeiten wird. Dies geschieht zum grössten Teil durch Aktienkauf. (Ob das gegenwärtige Eigentumsrecht die geeignete Form der Verbindung ist, kann hier nicht weiter behandelt werden). Durch das Miteigentum verbindet sich das Kapital nun ganz mit dem Schicksal einer Unternehmung. Es wechselt von der Gläubigerseite auf die Seite des Unternehmers und übernimmt damit auch für den Erfolg der unternehmerischen Impulse Verantwortung. Kein Erfolg, keine Dividende. Damit entfallen auch Rückzahlung und Zinszahlung. An die Stelle der Zinsen tritt nun die Dividende als Anteil an dem bereits realisierten finanziellen Erfolg der Unternehmung. Diese Dividende soll gleichzeitig auch einen Ausgleich für das übernommene Verlustrisiko enthalten. Der Kapitalgeber entscheidet als Eigentümer über die Höhe der Dividende mit. Als Ertragsanteil wird sie nur ausbezahlt, wenn die Unternehmung mit ihren Leistungen einen Überschuss erwirtschaftet hat. Die Dividende als Ersatz für die Zinsen – und gleichzeitig auch im Gegensatz zu ihnen, ist erfolgsgebunden. Insofern sind Dividendenzahlungen aus unternehmerischer Sicht wesentlich sozialer als Zinszahlungen für Darlehen und wird deshalb vermehrt angestrebt. Der niedrige Zins für Darlehenskapital ist für die Unternehmungen ideal, einerseits senken sich dadurch die Kapitalkosten und andererseits verbessern sich die Erfolgsaussichten für Dividendenzahlungen. Deshalb wendet sich das Interesse der Geldanleger verstärkt solchen Anlageformen zu. „Dividenden sind der neue Zins“. Diese Verschiebung lässt sich bereits heute beobachten: Kapital, das sich ganz mit der Investition verbindet, wird auch jetzt noch mit Dividenden bedient und verzinst sich dadurch wesentlich höher als entsprechende Darlehen. Auch wenn die einen noch immer hoffen, dass sich die Zinsen für Obligationen wieder erholen, so müssen sich die Kapitalsammelstellen und Banken, besonders aber auch die Sparer sich stärker auf diese Art von symbiotischer Verbindung von Kapital und Unternehmung einstellen. Formen müssen z.B. entwickelt werden, wie das damit erhöhte Risiko solidarisiert werden kann (der Risikoausgleich der PUK ist ja solch ein Anfang) oder wie man mit schwankenden Erträgen die Zukunft „sichern“ kann.

Die Börse als Marktplatz spekulativer Werte

Dieser Schritt zur engeren Verbindung von Kapital und Unternehmung ist nicht neu, aber bisher sozial anrüchig ausgestaltet, nämlich als Aktie. Durch die Form der Aktie (hier stellvertretend für alle Papiere dieser Art) sind die o.a. Vorzüge in eine falsche, d.h. sozial problematische Richtung abgelenkt worden. Denn durch den Eigentumsstatus der Aktien sind Unternehmungen selbst käuflich geworden, nicht nur deren Produkte. Für den Handel mit Aktien wurde mit der Börse ein neuer eigener Markt geschaffen, für den andere Regeln gelten. Die Börse ist kein normaler Markt, das wäre sie nur, wenn der Handelswert auf der offengelegten tatsächlich vorhandenen Substanz und den zum Betrieb notwendigen Finanzmitteln, d.h. auf dem tatsächlich investierten Kapital beruhen würde. Das ist aber nur noch zum kleineren Teil der Fall und spielt an der Börse so gut wie keine Rolle mehr. Dafür ist eine neue Art der Bewertung in den Mittelpunkt gerückt, der Ertragswert, das ist im Kern das Gewinnpotenzial des Kapitals.

Das liegt daran, dass das Unternehmen nicht nur eine Ansammlung von einzelnen erworbenen Investitionsgütern ist, die zum Zeitpunkt der Übertragung nur bis zu einem bestimmten Umfang genutzt wurde. Sondern die als Unternehmen organisierte Einheit der Produktionsmittel ist gleichzeitig ein Produktionspotential. Dabei kommt es nicht in erster Linie darauf an, was die Produktionsmittel gekostet haben, sondern was man daraus macht. Das ist die spekulative Seite jeder Investition. Aber nun wurde rechtlich zugelassen, dass diese noch nicht erarbeiteten und daher noch spekulativen Erträge, die eigentlich der Zukunft gehören, bereits in der Gegenwart im Verkaufspreis aktiviert werden dürfen und dabei an die Rechtsverhältnisse der Vergangenheit, die Voreigentümer, transferiert werden. Im Ertragswert wird eine Zukunftserwartung in die Gegenwart projiziert als ob sie schon Wirklichkeit wäre. Dafür wird die Zukunft belastet, da deren Erträge bereits verbraucht wurden. Das Bärenfell wird verteilt, obwohl der Bär noch lebt. Als Folge ergeben sich dadurch entweder höhere Verschuldungen oder ein erhöhter Wachstumsdruck, um diesen „Zukunftsverlust“ zu kompensieren. Dies erzeugt neuen Kapitalbedarf und damit neue Kapitalanlagemöglichkeiten. Es entsteht ein sich selbst antreibender Prozess. Die Spekulation löst das Anlagekapital von der Realität ab und führt zur Form einer Wette auf Wahrscheinlichkeiten, so wie es z.B. bei Optionen der Fall ist. Damit fallen die letzten Realitätsgrenzen für Renditen. (Ebenfalls nicht behandelt wird hier die Entwicklung zu reinen Geldanlagepapieren, denen überhaupt keine Güterproduktion mehr zugrunde liegt, z.B. Derivate oder Optionen.)

Der in die Irre führende Performance-Vergleich

Es ist leicht einsehbar, dass diese Quelle scheinbar unbegrenzter Renditen alle diejenigen anzieht, die allein in der Kapitalvermehrung das Ziel ihrer Geldanlage sehen, ja sogar von Aufsichtsbehörden dazu angehalten werden, um die sozialpolitischen Ziele zu retten. Der Steigerung der Performance scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Aber kann man die Performance für das in spekulative Anlagen fliessende Sparkapital überhaupt vergleichen mit der Performance, die sich bisher für den Bereich der Güterproduktion im Zinsniveau der Obligationen ausgedrückt hat? Oder vertun wir in der CoOpera aus Ängstlichkeit die Chance zu einer einmaligen Wertsteigerung?

Hier soll nur auf einen grundsätzlichen Unterschied hingewiesen werden. Werden Güter und Leistungen hergestellt, dann fliessen der Gesellschaft reale Werte zu, die dem Geldwert Kaufkraft geben. Steigt aber der Börsenwert einer Aktie, dann entsteht ein neuer Geldanspruch, dem aber keine zusätzlichen Leistungen entsprechen. Da aber das durch den Börsenhandel gewaschene Geld (im Verkauf werden Scheinwerte in „echtes“ Geld umgewandelt) trotz fehlender Gegenleistung als Tauschgeld verwendet werden kann, so müssen die damit erworbenen Werte aus anderen Bereichen abgesaugt werden. Investitionen in solche Geldprozesse sind parasitär und richten auf die Dauer den sozialen Wirtsorganismus zu Grunde. Deshalb wurde der Begriff der „Blasen“ gebildet: eine glänzende Oberfläche aber substantiell nur mit Luft gefüllt.

Das Sparkapital am Scheideweg

Das Sparkapital steht also vor der Entscheidung, in welche Richtung es sich investiert. Verbindet es sich mit dem Leistungsstrom oder folgt es den spekulativen Verlockungen?

Das Dilemma wird im Zusammenhang mit der PUK am deutlichsten bei der Behandlung von Grund und Boden. Der Boden reicht in beide Kapitalbereiche hinein. Einerseits ist der Boden durch seine Nutzung für alle anderen Wertbildungen die Grundlage, ist also mit dem Realstrom eng verbunden. Wir versuchen, die Grundstücke so zu behandeln, dass sozial sinnvolle Nutzungen möglich sind. Dies schliesst das Ziel einer maximalen Renditeerzielung aus: je höher der Mietzins, umso schwerer wird das Leben. Andererseits wird Grund und Boden heute ebenfalls wie eine Ware gehandelt und ist damit mit voller Kraft in den Spekulationssog geraten. Hohe Bodenpreise müssen heute verzinst werden und belasten damit das Leben. Hier geht es darum, diese Werteexplosion im Bodenpreis zu dämpfen. Deshalb bewerten wir Grundstücke so niedrig wie möglich, um den Renditedruck zu senken. Für gesund würden wir es halten, wenn dem Boden sein Warencharakter genommen würde. Deshalb haben wir in bewusstem Zusammenhang damit die Bodenstiftung NEB gegründet, um Vermögenseigentum in Nutzungseigentum zu verwandeln und damit der Spekulation zu entziehen.

Die Zerstörungsdynamik, die der Handelbarkeit spekulativer Werte innewohnt, und der Bedarf an Neugestaltung der Finanzierung der Realwirtschaft zeigen, dass es mit der Wahlfreiheit der Anlageform nicht getan ist, sondern dass es der aktiven Mitgestaltung der Anlageformen durch die Kapitalanleger und damit auch durch unsere Pensionsstiftung bedarf, wenn die Entwicklung zum Besseren einsetzen soll.

Udo Herrmannstorfer