Aus der Realwirtschaft
Demeter
Demeter ist das älteste Bio-Label der Welt. Was 1924 mit acht Vorträgen Rudolf Steiners im schlesischen Koberwitz begann, ist heute eine weltweite Bewegung: Über 7000 Landwirtinnen und Landwirte bewirtschaften eine Gesamtfläche von 255’000 Hektar biodynamisch, in 63 Ländern und auf sechs Kontinenten. In der Schweiz sind es aktuell 429 Betriebe auf rund 7600 Hektar, darunter Höfe, die seit Jahrzehnten ohne Unterbrechung biodynamisch wirtschaften. Demeter steht für einen ganzheitlichen, ökologischen und solidarischen Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette von der Urproduktion bis zum Konsum einbezieht. Und der Markt gibt der Bewegung recht: 2025 erzielten Demeter-Produkte in der Schweiz einen Umsatz von 140,3 Millionen Franken, ein Wachstum von 17 Prozent gegenüber 2023. Damit hebt sich Demeter erneut deutlich vom Branchendurchschnitt ab.
Mehr als ein Label, ein Lebensmodell
Die biologisch-dynamische Landwirtschaft geht in einigen Bereichen über das hinaus, was Bio-Richtlinien fordern. Demeter geht unter anderem beim Tierwohl und bei der Biodiversität weiter. Hinzu kommt das Herzstück der biodynamischen Methode, nämlich die Verwendung sorgfältig zubereiteter Präparate, die Humusaufbau und Bodengesundheit fördern, sowie eine wesensgemässe Tierhaltung. Wissenschaftliche Studien belegen, dass biodynamische Betriebe bei biologischen und mikrobiologischen Bodenindikatoren deutlich besser abschneiden als konventionelle und sogar rein biologische Betriebe. Gleichzeitig wird der Kuh und dem Wiederkäuer eine zentrale Rolle im landwirtschaftlichen Kreislauf zugesprochen: Ihr Mist ist ein wertvoller Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit, der chemische Düngung schlicht überflüssig macht.
Die biodynamische Landwirtschaft hat aber auch eine kulturelle Dimension, die über das rein Agronomische hinausgeht. Die Produktion gesunder Lebensmittel von hoher Qualität, schonend verarbeitet und mit dem Ziel, den Menschen in seiner Entwicklung zu stärken: Das ist die Leitidee, die seit Steiners Kursen in Koberwitz die Demeter-Bewegung begleitet. Nicht Ertrag um jeden Preis, sondern Qualität in einem umfassenden Sinn.
Eine Bewegung, die alle einbezieht
Besonders ist, dass Demeter alle Beteiligten des Lebensmittelmarkts zusammenbringt. Der Schweizerische Demeter-Verband, 1997 gegründet, vereint Produzierende, Verarbeitende, Handelnde und Konsumierende unter einem Dach. Mit 24 gewählten Vertreterinnen und Vertretern aus diesen verschiedenen Bereichen verkörpert er das Prinzip des assoziativen Wirtschaftens: Alle, die mit Demeter-Produkten in Berührung kommen, sollen aktiv mitgestalten können. Diese Idee ist kein Selbstzweck. Sie spiegelt die tiefe Überzeugung wider, dass faire Preise, Transparenz und echte Zusammenarbeit entlang der ganzen Wertschöpfungskette die Voraussetzung für eine dauerhaft gesunde Landwirtschaft und Gesellschaft sind.
Das zeigt sich auch in der Kommunikation. Die Biobarometer-Umfrage 2024 des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) belegt, dass Demeter in der Deutschschweiz einen gestützten Bekanntheitsgrad von 85 Prozent erreicht, gegenüber 74 Prozent im Jahr 2022. In der Westschweiz sind es 65 Prozent. Das sind bemerkenswerte Werte für ein Label, das konsequent auf Werteorientierung statt auf Massenmarketing setzt. Zudem wurde 2023 das Demeter-Suisse-Label eingeführt, das erste Produzentinnen und Produzenten bereits aktiv nutzen.
«Was uns antreibt, ist die Überzeugung, dass nachhaltiges Wirtschaften und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sind, sondern einander bedingen. Demeter lebt genau dieses Prinzip, Tag für Tag.»
Bettina Holenstein
Co-Geschäftsführerin Demeter Schweiz
Fachgruppen und Marktentwicklung
Hinter dem Marktwachstum steckt auch strukturelle Arbeit. Demeter pflegt ein dichtes Netz von Fachgruppen, in denen Produzentinnen und Produzenten, Verarbeiterinnen und Verarbeiter gemeinsam zu Markt- und Fachthemen arbeiten, von Fleischabsatz über Saatgut bis zu Richtlinienänderungen.
2024 wurde die Struktur der Fachgruppen neu ausgerichtet: Die bisherige Fachgruppe Lagergemüse, Ackerbau und Getreide wurde aufgeteilt und eine neue, eigenständige Fachgruppe Gemüse gegründet. Damit gibt es aktuell fünf Fachgruppen: Gemüse, Ackerkulturen, Geflügel, Weinbau und Rind. Die Neuausrichtung sorgt dafür, dass Fachthemen noch präziser bearbeitet und der gezielte Austausch innerhalb der Gruppen stärker gefördert wird.
Auf der Seite der Lizenznehmerinnen und Lizenznehmer zählt Demeter heute 200 Betriebe, davon 97 Verarbeitungsbetriebe, 101 Handelsbetriebe und 2 Gastrobetriebe. Wie bereits im Vorjahr stellten Müllereiprodukte den grössten Teil der neu angemeldeten Produkte. Auch im Weinhandel ist eine hohe Aktivität zu verzeichnen, ein Bereich, in dem die biodynamische Methode auf wachsendes Interesse stösst.
Für Biodiversität, gegen Gentechnik
Demeter versteht sich nicht nur als Qualitätsmarke, sondern als politische Stimme in Fragen der Landwirtschaft und des Lebensmittelsystems. In den letzten beiden Jahren war das politische Engagement besonders intensiv. Demeter unterstützte 2024 die Kampagne zur Biodiversitätsinitiative finanziell und kommunikativ. In der Romandie und der Deutschschweiz waren je ein Demeter-Betrieb Gastgeber für viel beachtete Medienveranstaltungen. Das Stimmvolk lehnte die Initiative im September 2024 mit einem Nein-Anteil von 63 Prozent ab, doch Demeter hat die Diskussion mitgeprägt und wird weiter für starken Schutz natürlicher Lebensgrundlagen eintreten.
Parallel dazu engagiert sich Demeter als Mitglied des Trägervereins der Lebensmittelschutz-Initiative. Diese Initiative will die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten verankern und sicherstellen, dass die Landwirtschaft und die Umwelt vor den Risiken der Gentechnik geschützt bleiben. Die Lebensmittelschutz-Initiative wurde am 27. Februar 2026 offiziell eingereicht.*
Ein Verband im Aufbruch: die neue Demeter-Organisation
Demeter Schweiz befindet sich mitten in einem historischen Schritt. Vier bisher eigenständige Organisationen schliessen sich zu einer gemeinsamen Organisation zusammen: der Verein für biologisch-dynamische Landwirtschaft (gegründet 1937), der Schweizerische Demeter-Verband, die Interessengemeinschaft Verarbeitung und Handel sowie der Schweizerische Verband der Konsumentenvereine. Die Gründung von Demeter Schweiz fand am 21. Mai 2026 statt. Die Vorbereitungen liefen bereits 2024 auf Hochtouren: Ressourcen wurden in die interne Kommunikation investiert, um alle Mitglieder der Poolpartner in den Dialog einzubinden. Denn: Je besser eine Entwicklung verstanden und mitgetragen wird, desto erfolgreicher kann sie umgesetzt werden.
Der Zusammenschluss schafft eine Organisation, in der die engagierte Konsumentin genauso Mitglied sein kann wie der biodynamische Landwirt oder die Demeter-Käserin. Ein Modell, das Nähe zwischen Erzeugung und Tisch nicht nur predigt, sondern strukturell verankert. Die Co-Geschäftsführerinnen Bettina Holenstein und Verena Wahl leiten diesen Prozess mit grossem Engagement.
* Gemäss erster Auszählung der Bundeskanzlei wurden für die Initiative weniger als die erforderlichen 100’000 bescheinigten Unterschriften eingereicht. Damit wäre das verfassungsmässige Quorum von 100’000 Unterschriften verfehlt. Der Ausgang der Nachzählung war bei Redaktionsschluss ungewiss
Tief verwurzelt in die Zukunft
Im Jubiläumsjahr 2024 traf sich die Biodynamic Federation Demeter International in Koberwitz, genau dort, wo Rudolf Steiner 100 Jahre zuvor seinen landwirtschaftlichen Kurs gehalten hatte. Unter dem Motto «Einander stärken für das nächste Jahrhundert der Biodynamik» kamen Vertreterinnen und Vertreter aus 35 Ländern zusammen. Es war eine Begegnung, die den globalen Resonanzraum der Bewegung sichtbar machte und gleichzeitig an ihre Wurzeln erinnerte.
In der Schweiz feierte Demeter das Jubiläum mit einem rauschenden Fest im Bierhübeli in Bern, über 50 Festlichkeiten auf Betriebsebene und einer Hauptversammlung im Goetheanum in Dornach, wo über 100 Teilnehmende zusammenkamen. Ein Ort, der perfekter kaum hätte gewählt werden können. Im Jahr 2028 wird zudem das Demeter-Label sein hundertjähriges Bestehen feiern.
Was bleibt, ist nicht Nostalgie, sondern Orientierung. Die Grundhaltungen aus der Gründungszeit von Demeter haben ihre Gültigkeit behalten, wie eine Überprüfung der Strategie zeigt: Ganzheitlichkeit, Nachhaltigkeit, Klimaschonung, Bodenfruchtbarkeit, Saatgutzüchtung, Tierwohl und ein geschlossener Stoffkreislauf auf dem Hof. Das sind keine Modeworte. Das sind Grundsätze, die Demeter-Betriebe täglich leben und die in einer Zeit raschen Wandels mehr Orientierungskraft denn je entfalten.
Warum passen CoOpera und Demeter Schweiz so gut zusammen?
Beide Organisationen teilen eine Grundhaltung: Wirtschaftliches Engagement soll sinnstiftend sein, für Menschen, für Betriebe, für die Gesellschaft. CoOpera investiert in Unternehmen, die mit ihrem Wirken einen konkreten ökologischen und sozialen Beitrag leisten. Demeter Schweiz vertritt Betriebe, die täglich beweisen, dass eine Landwirtschaft ohne Pestizide und Gentechnik nicht nur möglich, sondern produktiv, qualitätsvoll und zukunftsfähig ist. Beide denken in langen Zeithorizonten. Beide glauben daran, dass wirtschaftliches Handeln Verantwortung trägt, gegenüber den Menschen von heute und den Generationen von morgen. Und beide wissen: Vertrauen wächst langsam, wie ein guter Boden.
«Biodynamische Landwirtschaft ist keine Methode. Sie ist eine Haltung. Wer die Erde als lebendigen Organismus begreift, übernimmt Verantwortung, die weit über den eigenen Betrieb hinausreicht.»
Verena Wahl
Co-Geschäftsführerin Demeter Schweiz